SBB-Schulzug in St. Gallen – Mitglieder auf der Suche nach Fakten

Ein Klick, der alles verändern kann. Täuschend echte Nachrichten und manipulierte Inhalte gehören zum digitalen Alltag. Wie man Wahrheit von Fälschung unterscheidet, erfuhren die Teilnehmenden an einer Mitgliederveranstaltung der SRG Ostschweiz im SBB-Schulzug.

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, ob eine an Sie gerichtete Nachricht echt oder gefälscht ist? Gerade wenn Ihr SwissPass kurz vor der Erneuerung steht, klicken Sie vielleicht unbedacht auf den angegebenen Link. Schliesslich scheint die Verlängerung schnell und unkompliziert zu sein. Doch Vorsicht: Genau hier lauern Gefahren.

Haben Sie den Absender überprüft? Ist Ihnen die fehlerhafte Rechtschreibung aufgefallen? Wurde die Nachricht an die Mail-Adresse geschickt, die Sie in Ihrem Konto hinterlegt haben? Diese Fragen zeigen, wie wichtig es ist, Nachrichten kritisch zu hinterfragen, bevor Sie handeln.

Dasselbe gilt für die Informationen, die wir täglich über verschiedene Kanäle erhalten. Die Unterscheidung zwischen Fakten und Fälschungen betrifft uns alle. Oft wird angenommen, «Fake News» sei vor allem ein Problem junger Menschen, die sich in den sozialen Medien bewegen und dort Informationen konsumieren. Die Realität sieht jedoch anders aus: Auch Erwachsene haben zunehmend Mühe, glaubwürdige Informationen von Falschmeldungen zu unterscheiden. Nachrichten werden immer professioneller gestaltet und mit künstlicher Intelligenz erzeugte Bilder wirken heute täuschend echt. Umso wichtiger ist es deshalb, Informationen kritisch zu prüfen und deren Glaubwürdigkeit zu hinterfragen.

Wie relevant Medienkompetenz in unserer digital vernetzten Welt geworden ist, konnten die Teilnehmenden bei ihrem Besuch im SBB-Schulzug eindrücklich erleben. Im Modul «Fake oder Fakt» lernten sie auf spielerische und interaktive Weise, Informationen kritisch zu hinterfragen und zwischen Fakten von Meinungen und Falschinformationen zu unterscheiden. Anhand eines zu Beginn aufgenommenen Gruppenfotos wurde anschaulich demonstriert, wie einfach sich Bilder manipulieren und in einen falschen Kontext setzen lassen. Die Teilnehmenden erfuhren, wie «Fake News» entstehen, welche Auswirkungen sie haben und wie man ihnen begegnen kann.

Im Anschluss gewährte Pascal Nufer, freier Journalist und ehemaliger SRF-Korrespondent, vielseitige Einblicke in den journalistischen Alltag und den Umgang mit Quellen. Dabei zeigte er auf, wie hoch die Verantwortung von Journalistinnen und Journalisten bei der Einordnung und Überprüfung von Informationen ist. Eine besondere Herausforderung stellt die, die kanalübergreifende Kommunikation, auch Crossmedialität genannt, dar. Während früher oft mehrere Medienschaffende für dasselbe Thema arbeiteten – für Radio, Fernsehen und Online –, berichtet heute häufig eine Journalistin oder ein Journalist für mehrere Kanäle. Dadurch entfällt teilweise eine zusätzliche Verifizierung durch weitere Redaktionsmitglieder. Dies ist besonders anspruchsvoll für Auslandkorrespondentinnen und -korrespondenten, die oft auf offizielle Regierungsmitteilungen angewiesen sind und deren Aussagen nicht immer unmittelbar unabhängig überprüfen können. Umso wichtiger bleibt die sorgfältige Einordnung von Informationen und die kritische Prüfung von Quellen als zentrale Aufgaben eines verantwortungsvollen Journalismus.

Die Teilnehmenden erhielten einen aufschlussreichen Einblick in die heutige Medienwelt. Und vielleicht klicken sie künftig wohlüberlegt auf eine vermeintliche Nachricht der SBB, in der sie mit einem «scharfen ß» zur Verlängerung ihres SwissPasses aufgefordert werden.

Michael Marugg, Präsident der Kommission für Öffentlichkeitsarbeit

Bilder: SRG Ostschweiz