Eine SRG für alle
Mit einer Rekordbeteiligung an der 94. Mitgliederversammlung im Stadtsaal Wil gab Monika Knill ihr Debüt als Präsidentin.
Monika Knill führte zügig und humorvoll durch ihre erste Mitgliederversammlung als Präsidentin der SRG Ostschweiz. Sämtliche Traktanden wurden von den 233 Stimmberechtigten mehrheitlich gutgeheissen. Der Verlust von gut 29'000 Franken wird auf die neue Rechnung übertragen. Im Hinblick auf die bereits angekündigten Sparrunden der SRG in den kommenden Jahren schlug Claudio Krucker, St. Gallen, den Anwesenden vor, eine Geschenkmitgliedschaft für Grosskinder in Betracht zu ziehen. So könne man dem strukturellen Defizit begegnen und Neumitglieder gewinnen. Damit entsprach er dem Wunsch der Präsidentin, die Trägerschaft zu stärken.
Verabschiedet und zu Insektenhotelbesitzern gemacht wurden das Vorstandsmitglied Georg Amstutz sowie Canisius Braun, der das Präsidium zu Jahresbeginn an Monika Knill übergeben hat. Canisius Braun erhielt für sein 14-jähriges Wirken im Vorstand die Ehrenmitgliedschaft.
Zudem berichtete erstmals der neue Leiter des Regionalstudios Ostschweiz, Marc Melcher, über die neue Organisationsstruktur. Radio und TV rücken in der Regionalredaktion weiter zusammen, die um einen Leiter Multimedia ergänzt wurde. Aufgrund des grossen Einzugsgebiets und mit mehreren Grossveranstaltungen sei die Themensetzung im vergangenen Jahr eine Herausforderung gewesen.
Stadträtin Cornelia Kunz überbrachte das Grusswort der Stadt Wil. Stereotype, auch mediale, wusste sie mit dem Slogan «Stolz auf Wil» zu widerlegen.
Ein etwas anderer Wil-Rundgang
Walter Bachmann, aufgewachsen in Wil und zurzeit Co-Leiter Stab SRG, nahm die Anwesenden mit auf einen Postenlauf: Aussichtspunkt Kaiserlinde, Obere Mühle, Hof zu Wil und Hauptmannshaus. Nach dem jeweiligen historischen Rückblick schlug er den Bogen zur Gegenwart und zur SRG.
Bei der Kaiserlinde nahm Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1912 ein Manöverfrühstück ein und genoss die prächtige Aussicht. Blickt man auf den 8. März und die abgelehnte Vorlage zur Halbierungsinitiative zurück, so stellt man fest, dass die Solidarität zwischen den Sprachregionen spielt und die Informationsqualität der SRG geschätzt werden.
Die Obere Mühle steht für die Veränderungen in der Medienbranche. Dort startete das erste konzessionierte Lokalfernsehen, das Ende der 90er in Teleostschweiz aufgegangen ist. Auch die SRG transformiert sich, gibt sich schlankere Strukturen und stärkt die Zusammenarbeit zwischen den Sprachregionen. «Play+», der Zusammenzug aller Streaming-Plattformen, ist in der Pipeline und startet im Herbst.
Der nächste Posten war der Hof zu Wil, der im Juni nach umfangreichen Renovationen eröffnet wird. 1647 trafen sich die Eidgenossen auf Einladung des Fürstabts im Hof zu Wil und schlossen ein Bündnis (Defensionale) zur gemeinsamen Landesverteidigung während des Dreissigjährigen Krieges. Das war die Geburtsstunde der Schweizer Armee. In der sicherheitspolitischen Strategie wird neben dem Risiko von Desinformationen insbesondere die Sicherheit der Kommunikation gewichtet. Die SRG kann bei Stromausfall Alarmmeldungen zehn Tage herstellen und verbreiten.
Das Hauptmannshaus in der Marktgasse mit den vier Wappen der Schirmorte steht für den Vertrag mit dem Fürstabt, der die Aufsicht ausübte. Über die Einhaltung der SRG-Konzession wacht das BAKOM. Die SRG strebt an, auch in der neuen Konzession ab 2029 das Vollprogramm inklusive Unterhaltung und Sport beizubehalten, die Digitalisierung fortzusetzen sowie ihre Unabhängigkeit von allen politischen Strömungen sicherzustellen.
Daran schloss sich der Kulturteil mit der Aufführung «So ein Chaos!» mit Puppenspielerin Rahel Wohlgensinger, Simon Engeli und Hund Monty.
Die 95. Mitgliederversammlung findet am 24. April 2027 im Kanton Glarus statt.
Text: Ursel Kälin, Ehrenmitglied SRG Ostschweiz
Bilder: Marco Hartmann